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02.11.2011
Kurt Gaßner: Agrarbudget 2012 lässt viele Fragen offen
Beim Agrarbudget für das kommende Jahr gilt es vieles aufzuklären. Es ist zu befürchten, dass unter Einsparungen vor allem Projekte für Arbeit und Beschäftigung im ländlichen Raum leiden werden. In die land- und forstwirtschaftlichen Schulen hingegen, soll mehr Geld gepumpt werden – und das, obwohl sie vom Rechnungshof als zu teuer kritisiert werden.
„Da die EU-Zahlungen kofinanziert werden müssen, bleibt also die Frage offen, ob tatsächlich jeder Euro aus Brüssel abgeholt wird, wie Fekter und Grillitsch immer wieder vorbeten.“
Bei voller Ausnutzung aller Mittel steigt das EU-Agrarbudget von 2.144,6
Millionen Euro leicht an - trotz sinkender fixer Bundesmittel.
Interessant ist dabei die Tatsache, dass die Ressortmittel für
Aufwendungen steigen. Nähere Erläuterungen gibt es allerdings nicht. Ob
hier vielleicht die teuren Werbeaufwendungen für die zahllosen Inserate
des Landwirtschaftsministers drinnen stecken, lässt sich nicht
beantworten. Fakt ist, die Aufwendungen werden nicht klar ausgewiesen.
Die Mittel, die seitens der EU für ländliche Entwicklung zur Verfügung
gestellt werden, bleiben mit 539,4 Millionen Euro im Vergleich zum
Vorjahr unverändert, die Bundesmittel werden hingegen um 35,1 Million
Euro gekürzt. Da die EU-Zahlungen kofinanziert werden müssen, bleibt
also die Frage offen, ob tatsächlich jeder Euro aus Brüssel abgeholt
wird, wie Finanzministerin Fekter und Bauernbundpräsident Grillitsch uns
immer wieder vorbeten.
Eine weitere offene Frage ist, wo die nationalen Einsparungen bei der
ländlichen Entwicklung wohl gemacht werden? Aus der Vergangenheit wissen
wir, dass dies nicht bei der Landwirtschaft geschehen wird. Die
Einschnitte werden wohl eher bei regionalpolitischen Maßnahmen
vorgenommen, also bei Projekten für Arbeit und Beschäftigung im
ländlichen Raum, für die Schaffung von mehr Lebensqualität und
Infrastruktur in nicht urbanen Lebensräumen, sprich Projekte für alle
Menschen, die am Land wohnen und leben. Es bleibt zu hoffen, dass die
Aussage im Strategiebericht des Landwirtschaftsministers –
„Förderfokussierung der Entwicklung des ländlichen Raumes“ – auch
tatsächlich den ländlichen Raum mit allen Beteiligten und nicht nur die
Landwirtschaft meint.
Die Mittel für das land- und forstwirtschaftliche Schulwesen will
Finanzministerin Fekter hingegen deutlich anheben. Warum das muss man
fragen, wo doch der Rechnungshof sehr kritisch feststellt, dass in den
landwirtschaftlichen Schulen ein Schüler mehr als doppelt soviel kostet
wie in den sonstigen berufsbildenden Schulen. Diese Frage ist zu klären,
bevor das landwirtschaftliche Schulbudget deutlich steigt. Warum werden
denn diese Schulen nicht überhaupt in das sonstige öffentliche
Schulsystem übernommen?
Fragen über Fragen, die wir in den kommenden Verhandlungen im Rahmen des
Budgetausschusses stellen werden und hoffentlich auch klären können.
Zur Person:
Kurt Gaßner ist seit 2006 Sprecher für den ländlichen Raum im SPÖ-Parlamentsklub.
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