Bildung, Kunst & Kultur, Wissenschaft

KulturTalk III: Junge Kunst

Es war eine hochrangig besetzte Veranstaltung in der Ovalhalle des Wiener Museumsquartiers: Zahlreiche interessierte Besucherinnen und Besucher erlebten am 13.5.2010 eine spannende Diskussion mit Bundesministerien Claudia Schmied rund um das Thema Kulturpolitik im Rahmen der Zukunftsdebatte "Österreich 2020". Am Podium zu Gast waren Andreas Beck (Schauspielhaus Wien), Sabine Schauer (Henkel Art Award) und Sofie Thorsen (Künstlerin und Stipendiatin des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur), ORF-Moderatorin Barbara Rett führte die BesucherInnen mit Kompetenz und Charme durch den Abend.

Impulsgespräch zwischen Barbara Rett und Martin Grubinger

Claudia Schmied sprach mit ihren Gästen beim dritten KulturTalk über die Herausforderungen und  Perspektiven, denen sich junge KünsterlerInnen in der  österreichischer Kunst- und Kulturlandschaft gegenüber sehen. Die zentralen Forderungen betrafen die Etablierung neuer Formen staatlicher Kunst- und Kulturförderung, Maßnahmen zu einer verstärkten sozialen Durchlässigkeit beim Zugang zu Kunst und Kultur sowie die Etablierung neuer Synergien zwischen Bildungs- und Kultureinrichtungen.

Kulturministerin Claudia Schmied begrüßt zum KulturTalk III im MQ

Kunst- und Kultur: Zentraler Bestandteil unserer österreichischen Identität 

Der kulturpolitische Abend startete mit einem Impulsgespräch mit dem jungen österreichischen Schlagzeuger und Multipercussionist Martin Grubinger, der durch sein musikalisches Talent internationale Bekanntheit erreicht hat. Mit 26 Jahren zählt er bereits zu den Koryphäen seines Gebietes. Grubinger wünscht sich ein System in Österreich, das Kunst und Kultur als zentralen Bereich der Gesellschaft versteht und auch entsprechend fördert - aus seiner persönlichen Biografie kennt der Salzburger die konkreten Probleme, denen sich österreichische NachwuchskünstlerInnen gegenüber sehen. So liege das größte Problem darin, dass kein passendes Bildungsangebot vorhanden sei und Regelstundenpläne beispielsweise mit den ausgedehnten Übungszeiten bei MusikerInnen nicht vereinbar seien. Es bedürfe daher im Bildungssystem auch Unterrichtsformen, welche zum Beispiel ähnlich dem Schigymnasium Stams aufgebaut sind. Diese Benachteiligung der Künste und Kreativbereiche gegenüber dem Sport sei jedoch ein allgemeines Problem und für ihn nicht nachvollziehbar, so das junge Ausnahmetalent. 

Multipercussion Artist Martin Grubinger im ö2020 - Interview

 

Kulturnation Österreich: Internationalität fördern 

Diese Einschätzung teilten auch die Bundesministerin Schmied sowie die anwesenden DiskutantInnen. Unisono war man der Meinung: Jene Wertschätzung und Priorität, welche den traditionellen und zeitgenössischen Künsten in Österreich entgegengebracht wird, ist noch stark ausbaufähig. Dies sei notwendig, um KünsterInnen entsprechenden gesellschaftlichen Rückhalt zu bieten. Außerdem sei die Förderung der Wahrnehmung und Wertschätzung von Kunst und Kultur zentral für eine "Kunstnation" wie Österreich, so dieKulturministerin. Es zeige sich immer wieder, dass die moderne, zeitgenössische Kunst leider zu oft mit den traditionellen Kunstschätzen in Österreich konkurriere. Diese Diskrepanz zwischen den Investitionen in die Bewahrung der Schätze der Vergangenheit und der Förderung von Gegenwartskunst gelte es zu überwinden. 

"Wir müssen unsere traditionellen Kunsthäuser stärker in den Dienst der zeitgenössischen Kunst stellen", betonte die Kulturministerin daher mit Nachdruck.

Auch die insgesamte Öffnung und Weiterentwicklung der Gesellschaft stehe in einem Wechselspiel zur Vielfältigkeit in ihrer Kunst-, Kultur- und Bildungslandschaft.

Publikumsdiskussion

... in jedem Kind den kleinen Mozart finden

Um jedoch am Weg in eine weltoffene, fortschrittliche Gesellschaft auch tatsächlich Erfolge zu haben, ist voller Einsatz für die zeitgemäße und qualitativ hochwertige Ausbildung und Bildung der Erwachsenen von morgen gefragt. Um Interesse an Kunst und Kultur sowie Spaß an der kreativen Betätigung bereits in der Schule zu wecken, müssten in einem modernen Bildungssystem die persönlichen Begabungen der Schülerinnen und Schüler noch effizienter entdeckt und gefördert werden. "Wir müssen vermehrt auf die Stärken der Menschen setzen und nicht immer die Schwächen kritisieren. Wir müssen versuchen, in jedem Kind den kleinen Mozart zu finden", so Bundesministerin Schmied in Anlehnung an ein Zitat des Autors De Saint-Exupéry. Um dieses Ziel zu erreichen, müsse die Schule ein Stück weit selbstständiger werden und mehr Verantwortung am Schulstandort übernehmen um selbst Schwerpunkte setzen zu können. "Kinder sind unsere Zukunft, deshalb müssen wir alle jungen Menschen erreichen", betonte Schmied. Aus diesem Grundsollen alle 5.975 Schulen in Österreich bis 2013 Schulpartnerschaften mit regionalen Kunst- und Kultureinrichtungen eingehen. Es sei wichtig, dass sich Kinder künstlerisch entfalten, Selbstvertrauen und eine "Ich-Stärke" entwickeln. Jede Investition in ein qualitativ hochwertiges, vielfältiges Bildungsangebot ist mit Grundlage für zufriedene, selbstbewusste BürgerInnen und damit für eine fortschrittliche, weltoffene Gesellschaft.

Interview mit Bildungsministerin Claudia Schmied im Rahmen des ö2020 - KulturTalks III

 

[Redaktion]

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  • Barbara Rett im Impulsgespräch mit Martin Grubinger am KulturTalk über "Junge Kunst" © w.henisch
  • Kulturministerin Claudia Schmied (re.) und Sofie Thorsen © Marko Zlousic
  • Prominent besetztes Podium des KulturTalk zum Thema "Junge Kunst" (12.5.2010). Am Podium zu Gast waren (vlnr) Sofie Thorsen (Künstlerin und Stipendiatin des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur), Bildungs- und Kulturministerin Claudia Schmi © w.henisch
  • Bildungsministerin Claudia Schmied spricht am KulturTalk über Förderung der "jungen Kunst" © w.henisch