Bildung, Kunst & Kultur, Wissenschaft
BildungsTalk II: Bildung zahlt sich aus
Schule muss ihren Beitrag zu mehr Chancengerechtigkeit leisten. Ob und wie Bildungsökonomie die Umsetzung dieses Zieles unterstützen kann, darüber wurde ausgiebig beim zweiten „Österreich 2020"-BildungTalk diskutiert. Dieser fand am 1.6.2010 unter dem Titel "Bildung zahlt sich aus - die ökonomische Bedeutung der Bildung" in den Barocken Suiten des Museumsquartiers in Wien statt.
Es war eine hochrangig besetzte Veranstaltung: Mehr als 120 interessierte Besucherinnen und Besucher, darunter zahlreiche PädagogInnen aus unterschiedlichen Bildungseinrichtungen, erlebten eine spannende Diskussion über das Thema Ökonomie der Bildung. Bildungsministerin Claudia Schmied, Stefan Wolter (Leiter der Forschungsstelle für Bildungsökonomie an der Universität Bern), Anna Badora (Intendantin des Schauspielhauses Graz) und Gabriele Schmid (Leiterin der Abteilung Bildungspolitik der AK Wien).
Interview mit Bildungsministerin Dr. Claudia Schmied
Den Einstieg in den interessanten Abend bildete ein Impulsreferat von Stefan Wolter, in dem er das wissenschaftliche Selbstverständnis der Bildungsökonomie beschrieb. Wolter plädierte für die Einführung von quantifizierbaren Bildungskriterien auf unterschiedlichen Ebenen, um den Erfolg und die Nachhaltigkeit von Bildungssystemen zu verbessern. Evaluierungsverfahren sollen garantieren, dass Ressourcen zielgerichtet und sinnvoll eingesetzt und Bildungsbudgets bestmöglich im Sinn der politischen Zielsetzung gewichtet werden.
Impulsvortrag von Stefan Woltner
Der Wohlstand eines Landes wird im Klassenzimmer entschieden
Auch Bildungsministerin Claudia Schmied erachtet den Beitrag, den die Bildungsökonomie als Wissenschaft in eine Gesellschaft einbringen kann, als große Chance:"Die Bildungsökonomie liefert wichtige Fakten für die Politik. Sie zeigt Wirkungszusammenhänge auf." Dennoch verweist sie auf das Primat der Politik. inhaltlichen Zielsetzungen müssen von der demokratisch legitimierten Politik kommen, erklärt die Ministerin. Auch sind Bildungsbelange explizit gesellschaftspolitische Grundsatzfragen. "Bildungspolitik ist eine Arena der politischen Auseinandersetzung, weil sie immer von Menschenbildern und Anschauungen geprägt ist. Ich lehne es ab, Ökonomie als ein Quasi-Naturgesetz zu sehen", erklärte sie.
Auch im Bereich der Integration haben Bildungsstätten eine große Aufgabe, so Schmied. 50 Prozent der Wiener Volksschulkinder haben eine Zuwanderungsgeschichte. "In 15 bis 20 Jahren haben diese Kinder die Geschicke unserer Stadt und unsere Geschicke in der Hand. Deshalb ist es enorm wichtig, dass alle Kinder gut ausgebildet sind und gut Deutsch sprechen", erklärte die Bildungsministerin, die dieses Ziel mit Maßnahmen wie der Sprachförderung im Kindergarten und an den Schulen erreichen will.
Interview mit Stefan Wolter, Leiter der Forschungsstelle für Bildungsökonomie an der Universität Bern
Mehr Eigenverantwortung am Schulstandort
Claudia Schmied kritisierte in diesem Zusammenhang die Verordnungs- und Erlasskultur in Österreich, die das Prinzip Selbstverantwortung oft konterkariert. "Am Schulstandort muss es in Zukunft mehr Eigenverantwortung und ein klares Aufgabenprofil der Direktoren geben.", so die Bildungsministerin. Dazu findet im Juni eine parlamentarische Enquete unter dem Titel "Auf dem Weg zur selbstständigen Schule. Ideen für eine moderne Schulverwaltung des 21. Jahrhunderts" statt.
Podiumsdiskussion
Kultur und Bildung gemeinsam denken
Ein erklärtes Ziel der Bildungsministerin für die Zukunft ist, dass alle 5.795 Schulen in Österreich "vom Bodensee bis zum Neusiedlersee bis zum Jahr 2013 Partnerschaften mit Kunst- und Kultureinrichtungen eingehen", um auch der kulturellen und künstlerischen Erziehung mehr Bedeutung zu verleihen.
Besonders eindrucksvolle Beispiele für die gelungene Kooperation kultureller Einrichtungen mit Bildungseinrichtungen brachte die Intendantin des Grazer Schauspielhauses. Anna Bandora konnte die Argumente der Ministerin für die großen Vorteile kultureller Bildung mit zahlreichen Erfahrungen aus der Praxis belegen. So kann die Förderung der Kreativität und Innovationsfreude von Kindern und Jugendlichen diesen dabei behilflich sein, ihre Ich-Stärke und mehr Selbstbewusstsein zu entwickeln. Gerade auf den Arbeitsmärkten der Zukunft sind diese so genannten soft skills besonders gefragt.
Wie wichtig und interessant die Debatte bildungspolitischer Grundsatzfragen ist, zeigte sich in der ausgiebig geführten Schlussdiskussion des offiziellen Parts des Abends. Durch die rege Beteiligung der zahlreichen BesucherInnen kam eine konzentrierte und lebhafte Diskussion zu Stande, welche in positiver Weise dem Gesamteindruck des Abends entsprach.
Publikumsbeteiligung
Eingangsmoderation: Friedrich Graf-Götz
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