Frauen, Familie, Jugend

„Was ist gut fürs Kind?“

Moderne Familienpolitik – Besuchsrecht und Obsorge Zukunftsdiskurs am 4. Juli 2011 in Wiener Neudorf

Moderne Familienpolitik war das Thema eines Österreich 2020 Zukunftsdiskurses mit Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek, Familienrichterin Doris Täubel-Weinreich, Anneliese Erdemgil-Brandstätter von der Frauenberatungsstelle „Kassandra“ sowie Andreas Kollross von den Kinderfreunden Niederösterreich. Im Christoph-Migazzi-Haus im niederösterreichischen Wiener Neudorf entwickelte sich vor 160 interessierten Teilnehmerinnen und Teilnehmern eine konstruktive Diskussion über das ganze familienpolitische Themenspektrum.

Ministerin Heinisch-Hosek betonte im Zuge der Diskussion mehrfach, dass das Familienrecht umfaßt nicht nur die Obsorgeregelung umfasst, sondern auch die Absicherung bei Patchworkfamilien, Regenbogenfamilien, das Namensrecht oder die Frage der Pflegefreistellung. Zentral und wichtig ist es in der gesamten Debatte, das Wohl des Kindes zu definieren und das Kind ins Zentrum zu stellen.

Der Fokus der Debatte lag auf der Obsorgerechts-Thematik im Fall einer Trennung der Eltern. Die Expertinnen am Podium sprachen sich gegen einen Automatismus einer gemeinsamen Obsorge aus. Anneliese Erdemgil-Brandstätter meinte, dass Frauen nicht unfehlbar seien, aber die Statistik eine klare Sprache spreche: Gewalt wird vor allem von Männern an Frauen ausgeübt. Andreas Kollross von den Kinderfreunden stellte die Kinder in den Mittelpunkt. Die Diskussion um die gemeinsame Obsorge sei so ideologisiert, dass sie am Kern der Fragestellung vorbeigehe. Es gehe nicht um das Recht der Eltern auf ihre Kinder, sondern es um das Recht der Kinder auf ihre Eltern. Familienrichterin Doris Täubel-Weinreich sprach sich dafür aus, emotionale Konfliktfälle hin zu Mediationsstellen zu verlagern, da diese Fälle vor Gericht regelmäßig eskalieren.

 

Links:
Statement der Kinderfreunde Niederösterreich
http://www.noe.kinderfreunde.at/Bundeslaender/Niederoesterreich/News/Aktuelle-News/Obsorgediskussion-in-Wr.-Neudorf

Medienecho:
Niederösterreichische Nachrichten
http://www.noen.at/lokales/noe-uebersicht/moedling/aktuell/Wenn-Eltern-streiten;art2664,239526

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Beiträge

  1. Unbekannt LS meint am Montag, 08. August 2011

    Gerade hab ich an anderer Stelle einen thematisch nicht unpassenden Beitrag gelesen - Interview mit NRAbg Binder Maier.Deren grundsätzliche Forderung nach einer Elternbildung ist aus meiner Sicht sehr zu begrüßen. Dennoch darf gerade die Sozialdemokratie nicht außer Augen lassen, dass 1. nach wie vor in puncto Verteilungsgerechtigkeit anzusetzen ist und 2. eine Eingliederung derartiger Bildungsangebote ins Regelschulsystem sinnvoll wäre (ähnlich wie von den Grünen unlängst vorgeschlagen), damit schon junge Menschen entsprechende Basics vermittelt bekommen. Wäre doch eine gute Gelegenheit, die Vermittlung/Förderung sozialer Kompetenzen an den Schulen insgesamt weiter auszubauen und Lerninhalte stärker an der tatsächlichen Lebenspraxis zu orientieren. Dafür könnte man doch im Gegenzug endlich den unsäglichen steuersubventionierten Religionsunterricht abschaffen (und am besten bitte auch gleich mit Auflösung des wahnwitzigerweise nach wie vor aufrechten Konkordats verbinden!!!!!)