Meinungsforum
Katja Kolnhofer: Schule verbessern, aber wie?
Das Bildungsvolksbegehren ist eine Sache – die Unbeweglichkeit des Systems eine andere. Dass das Schulsystem nicht mehr zeitgemäß ist und die Kosten nicht den erwünschten Nutzen bringen ist bekannt. Eine grundlegende Änderung des Systems, weg von der Trennung in AHS taugliche und andere Kinder wäre gerade für den Wiener Raum wichtig.
„Meine erste und dringlichste Forderung ist es, Lehrerinnen und Lehrer bereits in der Ausbildung die Vorteile und Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit Eltern zu vermitteln."
Weil eine große Zahl von Eltern es wünscht, dass ihr Kind maturiert, um später vermeintlich bessere Jobchancen zu haben, werden eben nicht nur die hochbegabten, interessierten Kinder in die AHS geschickt. Viele tun sich dort sehr schwer, einige davon müssen die AHS erfolglos auch wieder verlassen. Das Lernklima ist in der AHS ganz anders als in der Volksschule. Die ständig wechselnden Fachlehrer sind für die Kinder ungewohnt, vielen fehlt die persönliche Bindung zu einer Lehrkraft. In den Mittelschulen ist der Umstieg nicht ganz so stark spürbar. Wir Eltern haben die Erfahrung gemacht, dass die wenigsten Kinder für ihren Lernerfolg lernen. Sie tun es, weil es Mama und Papa wichtig ist. Deshalb ist es wichtig durch die Klassenlehrerin/den Klassenlehrer Unterstützung für dieses Projekt zu haben. Gerade aus diesem Grund gefällt uns das Model der Wiener Mittelschule. Hier gibt es die Verschmelzung aus Fachwissen und pädagogischer sowie persönlicher Betreuung durch AHS und HS-Lehrer!
Was kann aus dem bestehenden System herausgeholt werden?
Strukturelle Änderungen zu fordern, scheint aber eher ein Wunsch ans Christkind zu sein. Die Frage stellt sich, was aus dem bestehenden System herausgeholt werden kann? Meine erste und dringlichste Forderung ist es, Lehrerinnen und Lehrer bereits in der Ausbildung die Vorteile und Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit Eltern zu vermitteln. Dies betrifft nicht nur die Arbeit mit Elternvertreterinnen und -Vertretern und Elternvereinen, sondern auch die Zusammenarbeit mit Mamis und Papis. Ich höre oft von Lehrerinnen und Lehrern dass die Eltern von lernschwachen Kindern sich nicht um die Schule kümmern und auch nicht auf Vorladungen reagieren. Für den Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler sind Eltern sowie Lehrerinnen und Lehrern zu gleichen Teilen verantwortlich. Die Aufgabenstellungen sind aber unterschiedlich. Die Lehrerinnen und Lehrer müssen es in der verfügbaren Zeit schaffen, die Lehrinhalte den Kindern verständlich zu vermitteln. Aufgabe der Eltern ist es das Kind zu erziehen, ihm beizubringen ruhig sitzen zu können, nicht dazwischen zu reden, seine Sachen in Ordnung zu halten und vieles mehr. Eltern sollen nicht ständig am Lernerfolg mitarbeiten müssen und Lehrerinnen und Lehrer sollen nicht ständig mit verhaltensoriginellen Kindern konfrontiert werden. Damit dies gelingen kann, braucht es eine geeignete Kommunikationsplattform die es im Moment nicht gibt. Eintragungen ins Mitteilungsheft sind oft missverständlich und reichen nicht aus. Warteschlangen und Fünf-Minutentaktungen bei Elternsprechtagen sind auch nicht das Ideal um Probleme aus der Welt zu schaffen. Hier sind die Pädagogischen Hochschulen gefragt, in Zusammenarbeit mit den Elternverbänden neue Modelle der Elternkommunikation zu kreieren. Es muss für beide Seiten die Möglichkeit geschaffen werden, sich bei knappen Zeitressourcen trotzdem ausreichend auszutauschen. Es kann nur gemeinsam gehen!
Katja Kolnhofer ist Vorsitzende der Wiener APS Elternvereine.
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